Meine Mutter hat mir neulich eine Geschichte erzählt. Zwanzig Jahre hat sie gebraucht, um sie rauszulassen.
Sie stand auf dem Flur mit ihrem Chef. Wichtiges Gespräch. Professionelle Atmosphäre. Und während sie nickte und funktionierte, lief ihr der Schweiß den Körper runter. Sie stand da und brannte und hat den Mund nicht aufgemacht.
Zwanzig Jahre später: „Das war furchtbar.“
Ich sage: Ja. Und warum zum Teufel hat mir das niemand vorher erzählt?
Die Generation des Schweigens
Meine Oma hat die Wechseljahre „kaum gespürt“, sagt sie zumindest. Ich glaube, sie hat sie einfach weggesperrt. Ihre Generation durfte nicht jammern. Durfte nicht leiden. Und bitte nicht über Frauenleiden reden. Also Arschbacken zusammenkneifen und weitermachen war das Gesetz.
Bei meiner Mutter war es nicht viel anders. Sie hat mehr erlebt, als sie zugibt, aber sie hat geschwiegen. Nicht weil sie eine schlechte Mutter war. Sondern weil das System Frauen seit Generationen genau das beibringt: Deine Beschwerden sind privat. Dein Körper ist peinlich. Und wenn du redest, bist du hysterisch.
Das ist kein Zufall. Das ist Strategie.
Frauenprobleme waren immer lästig
Seit Ewigkeiten werden alle Themen, die nur Frauen betreffen, klein gemacht. „Hast du schon wieder deine Tage?“ – dieser Satz hat uns unser ganzes Leben begleitet. Die Periode ist eklig, die Wechseljahre sind „Frauenkram“ und wer darüber spricht, ist undankbar oder übertreibt.
Und dann war da noch die Medizin. Jahrzehntelang haben Ärzte Frauen erklärt: „Das bilden Sie sich ein.“ „Da müssen Sie durch.“ „Das ist normal.“ Frauen die über Beschwerden klagen, gelten heute noch als hysterisch. Frauen die schweigen, gelten als stark. Die Medizin hat dieses System nicht erfunden, aber sie hat es mit weißem Kittel und Rezeptblock abgesegnet.
Normal. Als wäre es normal, dass Frauen jahrzehntelang auf Fluren verbrennen, nachts schwitzen, tagsüber funktionieren und dabei so tun, als wäre alles prima.
Das Schweigen hat uns isoliert
Als bei mir die ersten kleinen Veränderungen kamen, unspektakulär, unspezifisch, aber unübersehbar in ihrer Summe, stand ich genauso da wie Millionen Frauen vor mir. Unvorbereitet, verwirrt, mit dem Gefühl, irgendwas stimmt nicht mit mir.
Niemand hatte mich gewarnt. Nicht die Schule. Nicht die Gesellschaft. Nicht mal die eigene Mutter. Weil das Tabu stärker war als der Wunsch, die eigene Tochter zu schützen.
Und genau das macht mich wütend. Nicht die Symptome. Nicht der Körper. Sondern das Schweigen, das so tut als wäre dieser Übergang ein schmutziges Geheimnis das man versteckt hält.
Zeit, das Schweigen zu brechen
Wir sind die erste Generation, die dieses verdammte Schweigen nicht mehr mitmachen muss. Wir haben das Internet, wir haben einander, und wir haben langsam die Sprache dafür.
Wir reden nicht, um zu jammern. Wir reden, um das Tabu zu sprengen. Wir reden, damit die nächste Generation nicht mehr googeln muss, was mit ihrem Körper passiert. Wir reden, weil wir keine Lust mehr haben, uns für etwas zu schämen, das völlig normal ist.
Das Schweigen war nie unsere Idee. Es war immer ein Werkzeug, um Frauen klein und leise zu halten.
Jetzt nicht mehr.
Und bei dir? Wann hast du beschlossen, nicht mehr mitzuspielen?
Hinweis: Das Beitragsbild in diesem Artikel wurde mit Flux2 von Black Forest Labs generiert.
