Mit 43 hat mir eine Ärztin ganz nebenbei gesagt: „Das könnten die Wechseljahre sein.“ Ich habe gelacht. Laut. Ich dachte: Dafür bin ich doch viel zu jung. Die Ärztin zuckte nur mit den Schultern. Ich fuhr nach Hause und verdrängte es sofort wieder.
Es hat noch viele Monate gedauert, bis ich wirklich verstanden habe – oder besser: bis ich bereit war, es zu verstehen.
Was Menopause wirklich ist – und was nicht
Menopause ist kein Prozess. Menopause ist ein einziger Tag.
Der Tag, an dem genau zwölf Monate seit deiner letzten Periode vergangen sind. Das war es. Danach bist du in der Postmenopause.
Was davor passiert, ist die Perimenopause. Und die kann sich über viele Jahre hinziehen, oft vier bis acht, bei manchen sogar bis zu zehn.
Sie beginnt meist nicht mit dem Ausbleiben der Periode. Bei vielen Frauen fangen zuerst ganz andere Symptome an: Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Erschöpfung oder Reizbarkeit – Dinge, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Zyklus zu tun haben.
Das ist der Teil, den mir niemand erklärt hat.
Meine Symptome – und wie ich sie komplett falsch eingeordnet habe
Rückblickend haben meine ersten Anzeichen schon deutlich früher begonnen als mit 43. Ich habe sie nur nicht als diese erkannt.
Ich schlief plötzlich schlecht, lag nachts um drei hellwach da, ohne ersichtlichen Grund. Ich schob es auf Stress.
Ich hatte immer wieder depressive Phasen, die schwerer wurden. Dinge, die mir früher Freude gemacht hatten, fühlten sich plötzlich leer an. Ich schob es auf den Job, auf den Winter, auf zu wenig Sport.
Mein Zyklus wurde kürzer, intensiver, manchmal kam die Periode zweimal im Monat. Wieder: Stress.
Dazu kamen kalte Hände und Füße, obwohl allen anderen warm war. Plötzlich vertrug ich Milch nicht mehr. Mein Bauch wurde dicker, obwohl sich an meiner Ernährung und Bewegung nichts geändert hatte.
Und die Reizbarkeit … Ich hatte keine Geduld mehr für Dinge, die ich jahrelang einfach hingenommen hatte. Ich hinterfragte plötzlich alles – Beziehungen, Entscheidungen, meinen ganzen Alltag.
Ich dachte die ganze Zeit: Irgendetwas stimmt nicht mit mir.
Etwas stimmte tatsächlich. Aber nicht mit mir.
Was tatsächlich passiert
In der Perimenopause verändert sich die Hormonproduktion, die wird ungleichmäßig und unvorhersehbar. Dein Körper bereitet sich langsam auf das Ende der fruchtbaren Jahre vor.
Progesteron sinkt oft als Erstes. Es ist das Hormon, das beruhigt, den Schlaf reguliert und Entzündungen dämpft. Wenn es weniger wird, schläfst du schlechter, wirst schneller gereizt und fühlst dich emotional dünnhäutig.
Östrogen schwankt stark – mal hoch, mal tief. Das erklärt, warum manche Frauen in dieser Phase heftigere PMS-ähnliche Symptome haben als je zuvor.
Das alles hat nichts mit Schwäche zu tun. Es hat nichts damit zu tun, dass du „zu empfindlich“ bist oder einfach nur „zu viel Stress“ hast.
Es ist Biochemie. Dein Körper macht genau das, was er in dieser Lebensphase tun soll.
Was ich mir gewünscht hätte
Dass jemand früher offen mit mir darüber gesprochen hätte. Meine Mutter, meine Ärztin, irgendeine Frau in meinem Umfeld.
Dass mir jemand gesagt hätte: Das kann schon in den späten 30ern oder Anfang 40 beginnen. Die Symptome sind real. Du bildest dir nichts ein. Und du bist damit nicht allein.
Genau deshalb schreibe ich jetzt darüber.
Es gibt keine „Heilung“, weil Perimenopause keine Krankheit ist. Es ist Natur. Wir können die Symptome lindern, uns besser informieren und vor allem: aufhören, uns dafür zu schämen.
Die Hälfte der Menschheit macht das durch. Wir müssen es nicht schönreden – aber wir müssen uns auch nicht dafür kleinmachen.
Du bist nicht falsch. Dein Körper verändert sich nur. Und das hat einen Namen. Und du bist damit nicht allein.
Kennst du das auch? Schreib mir gerne in die Kommentare – ich lese wirklich alles.
